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Berliner Abendblatt Köpenick vom Mittwoch, dem 8. Dezember 1999

 

Karate - Körperbeherrschung und Disziplin statt brutalem Kampfsport

Sport für die ganze Familie in der Firlstraße in Oberschöneweide

Oberschöneweide. Viele Menschen denken bei Karate sofort an Brutalität, Gewalt und Kampf. "Da lernen Kinder sich zu prügeln" ist eine häufig genanntes Vorurteil. Bei der Abteilung Karate des Freizeit- und Erholungszentrums Wuhlheide sieht man schnell, dass an diesen Gerüchten nicht viel dran sein kann.

Wer donnerstags abends die Sportschule der 8. Grundschule in der Firlstraße besucht, wird sich zuerst einmal wundern: Kinder, Jugendliche und Erwachsene laufen wild durcheinander, spielen Basketball oder unterhalten sich. Alle tragen weiße Hosen und Jacken - die Gis - mit unterschiedlich farbigen Gürteln - die Kyus. "Die Kyus unterscheiden die unterschiedlichen Ausbildungsgrade der Karateschüler." erklärt Karateausbilder Ralf Peretz. Unterschieden werden der weiße Kyu, der gelb, orange, grüne, zwei blau und drei braune Kyus bis zu den Dans, den schwarzen Gürteln der Karatemeister. Entgegen der landläufigen Meinung gibt es es nämlich neun verschiedene schwarze Gürtel - Dans. Äußerlich nicht zu unterscheiden, differenzieren sie noch einmal die Leistungen der Karatemeister. Ralf Peretz hat den ersten Dan. Der zehnte Dan - dessen Farbe wieder weiß ist, wie bei den Anfängern - erhalten nur ausgewählte Karatemeister nach ihrem Tode verliehen - ehrenhalber.

Quelle: Berliner Abendblatt

 

Wenn Peretz den Unterricht beginnt, ist plötzlich alles anders: In der Turnhalle ist kein Mucks zu hören, die Schüler stehen nach der Farbe ihrer Kyus geordnet in einer langen Reihe vor ihrem Meister. Sie verbeugen sich, begrüßen sich mit dem traditionellen "Go". Dann dreht sich Peretz um und gibt der Gruppe das Zeichen, sich zusetzen und eine Ruheminute verstreichen zu lassen. Alle gucken jetzt in Richtung eines Bildes an der Längsseite der Halle. Ein Foto des Lehrers nach dem in Köpenick unterrichtet wird: Professor Gichin Funakoshi. Darunter stehen die fünf wichtigsten Regeln seiner Lehre. Nach Funakoshi beginnt und endet Karate mit Höflichkeit. Karatekämpfer sollen Helfer der Gerechtigkeit sein und sich vor Übermut und Überreaktionen schützen. Der Geist steht beim Karate an erster Stelle, deshalb soll ein Karatekämpfer lernen, seinen Geist zu kontrollieren.

Karate ist überall, auch auf der Straße

Die Karateausbildung dauert ein Leben lang. "Karate ist nicht nur in der Halle, Karate ist auch auf der Straße. Man kann nicht Karate erlernen und dann andere auf dem Schulhof herumschubsen", sagt Peretz. Die Ausbildung gliedert sich in drei Bereiche: "Kihon", die Schulung von Grundlagen und -techniken, "Kata", festgelegte Kombinationen der Techniken aus dem Kihon und "Kumite", das was die meisten als Karatekampf kennen. Tatsächlich wird beim Karatesport allerdings nur selten jemand verletzt. "Kumite" sind kombinierte Karateübungen mit einem Partner. "Die Perfektion der Handhabung des Körpers ist vergleichbar mit dem Ballett", meint Peretz.

Wer sich selbst von dieser Aussage überzeugen möchte, kann ab dem ersten Mittwoch im Januar 2000, dem 5. Januar, einen Anfängerkurs bei der Karateabteilung des FEZ belegen. Alles was man dafür braucht, ist ein bequemes Sportzeug - nicht zu warm: T-Shirt und Jogginghose reichen - Turnschuhe sind überflüssig. Kinder sollten sich in der Zeit von 17:00 bis 18:30 Uhr in der Turnhalle der 8. Grundschule in der Firlstraße einfinden, Erwachsene erst von 18:30 bis 20:30 Uhr. Und vielleicht geht es Ihnen dann bald wie Ralf Peretz: "Ich musste mit fünf Jahren mit dem Sport anfangen, weil ich so ein bisschen mickrig war. Ich hab alles ausprobiert, aber so viel Freude wie Karate hat mir kein anderer Sport gegeben!"

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